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Die Ausstellung „Zuhause am Flughafen – Gemeinsam in die Zukunft“, entstanden im Auftrag des Dialogforums Airport Berlin Brandenburg, war am 9. Mai für zwei Stunden in der Mehrzweckhalle in Schulzendorf zu sehen.

„Die Bürgermeister der Gemeinden Zeuthen, Eichwalde und Schulzendorf möchten die o. g. Ausstellung des Dialogforums zum Anlass nehmen, um mit den Bürgern sowie kommunalpolitischen Vertretern der drei Gemeinden über die zu erwartende Entwicklung gemeinsam zu diskutieren.“

So stand es in der Ankündigung der Internetseite des Gemeindeamtes und wurde von uns als Aufforderung zum Dialog aufgefasst.

Wir verstehen einander nicht, so erlebte ich die Veranstaltung.

Polizei wurde bemüht, um Sprechen zu verhindern und Einem wurde das Wort entzogen.

Die „zu erwartende Entwicklung“ wurde reduziert, verniedlicht, vereinfacht auf die Formel:

Was müssen wir bereitstellen, damit der BER richtig brummen kann?

Mein Eindruck: Die Menschen stören dabei.

Übrigens, die Menschen in Schulzendorf scheinen das schon zu wissen, waren es Zehn, waren es Zwanzig, die da waren?

Nur wenige in Schulzendorf wissen, was mit der Inbetriebnahme des BER auf sie zukommt.

Deshalb lesen Sie hier die beiden folgenden Beiträge. Der Erste konnte unter „Polizeischutz“ verlesen werden, vom Zweiten nur der Beginn.


Helmut Mencke


„Zu Hause am Flughafen“ – dieses Gefühl lassen BER und Dialogforum in uns nicht aufkommen. Wir, Dr. Dieter Schallehn und Helmut Mencke, Bürger Schulzendorfs, entwerfen im folgenden ein fiktives Leit-Wunsch-Bild an Grundwerten des Miteinander, so, als ob die beiden Institutionen es sich auf die Fahnen geschrieben hätten. Dass es leider nicht so ist, zeigt dann die Rückseite dieses Blattes.

Was wir erwarten:

Leitbild
Grundwerte und Richtlinien für das Handeln von BER und Dialogforum

1. Verantwortung
Wir, BER und Dialogforum, sind uns bewusst, dass unser Handeln Bestandteil unserer Gesellschaft und unserer Ethik ist, im Guten aber auch im weniger Guten. Jede Entscheidung wird vorrangig am Wohle der Kinder getroffen.
2. Nachhaltigkeit
Die Lebensdauer eines Flughafens wird auf rd. 80 Jahre festgelegt, daher müssen wir mit all unseren Maßnahmen die Interessen von mindestens drei Generationen berücksichtigen. Deren Leben und Gesundheit sind verbindliche Messlatte unseres Handelns. Maxime unser Wachstumsstrategie muß sein: Ökologie, Lebensqualität, Wirtschaftlichkeit und Arbeitsplätze sind nicht gegeneinander auszuspielen sondern im Gleichklang zu entwickeln.
3. Vertrauen
Wie wir mit den Anwohnern kommunizieren, ist ausschlaggebend für unsere Dialogkultur. Wir führen den Dialog mit gegenseitiger Wertschätzung, Ehrlichkeit und Fairness. Die Qualität unserer Arbeit belegen wir durch Fakten – nicht durch Vermutungen oder Versprechungen. Es geht um Fakten, die ihre Schutzwirkung im Wohnbereich der Anwohner entfalten. Wir beziehen ehrenamtlich aktive Anwohner in unsere Tätigkeit massgebend ein.
4. Bürgernähe
Wir kümmern uns um die Anliegen der Anwohner des zukünftigen BER und gehen auf die Sorgen und Ängste der von Abgasen, Lärm und Flugrisiken Betroffenen ein. Wir treten ihnen mit Respekt und in der Sache kompetent gegenüber. Das schließt ehrliche Informationen über alle geplanten Überflüge einschliesslich Überflughöhen und Maschinentypen ein.

5. Das muss die Grundlage unseres Handelns sein.

Soweit unsere Empfehlung an BER und Dialogforum.


Was wir erleben:

Die Kehrseite der Medaille

1. Verantwortung
Ein scharfes Werkzeug der Demokratie, das Raumordnungsverfahren, wurde ignoriert und durch ein kompetenzfernes, ganz von persönlichen Interessen geleitetes, Machtgebaren ersetzt, das sich gegen die Interessen hunderttausender Bürger richtet.
2. Nachhaltigkeit
Ein Raumordnungsverfahren hat Schönefeld zu dem am wenigsten geeigneten Standort für einen neuen Flughafen erklärt. Plötzlich wurde er mit dem sogenannten „Konsensbeschluss“ zum „bedeutendsten Infrastruktur-Projekt Brandenburgs“. Unvorstellbare Mengen an Steuergeld wurden und werden verbaut, ohne dass sich rechnerisch ein Nutzen ergibt.
Am 28. 4. 2015 hat die Landesregierung Brandenburgs wiederum 400 Millionen Euro an Schulden stellvertretend für den BER aufgenommen, und sie weiss, dass noch mal etwa 400 Millionen folgen werden. Der BER bleibt – das ist die klarste „Nachhaltigkeit“ - ein Millionengrab für Brandenburg.
3. Vertrauen
In dem 1996 erfolgten „Konsensbeschluss“ sehen wir den nicht mehr zu steigernden Akt der Vergewaltigung der Demokratie durch „Demokraten“. Der vernünftig Denkende findet keine beschreibende Steigerungsform für das, was um das Thema Flughafen herum geschieht.
Und dann stellen sich noch Menschen hin und erklären, dass wir uns im flächendeckend mit Lärm und Feinstaub überzogenen Schulzendorf „Zu Hause am Flughafen“ fühlen sollten.
Und die Volksvertreter im Landtag? Sie reden sich vielleicht noch ein, sie würden Gutes tun fürs Volk, wenn sie sich der Wirtschaft andienen.
4. Bürgernähe
Und wir Schulzendorfer stehen dem ohne wirksame Interessenvertretung gegenüber. Wir sind auf uns angewiesen und werden uns stetig und immer wieder gegen die Stimmen erheben, die es als Bürgernähe zu verstehen scheinen, wenn sie uns die Entwertung unseres Lebensmittelpunktes schönreden möchten.
Ohne Unterlass werden wir unsere Notlage aussprechen, in die wir durch leichtfertiges, verantwortungsloses Handeln dreier Politiker geraten sind.
5. Was sind die Grundlagen unseres Handelns?
Kommerz ist nachrangig gegenüber Leben und Gesundheit. Generationen übergreifende Entscheidungen gegen die Menschen zu treffen, ist unmenschlich.
Wir fühlen uns im Nahbereich des Flughafens nicht „zu Hause“.

Dr. Dieter Schallehn, Helmut Mencke, Mai 2015


Das wollte ich am 9.5.2015 sagen

Ich spreche als Betroffener hier im Dialogforum. Das ist schon etwas Besonderes und es klingt ein wenig hart, aber ich habe es selbst erlebt: Die Moderatorin des Dialogforums lässt gern nur jene zu Wort kommen, von denen sie weiss, wes Geistes Kind sie sind und wenn ein beherzter Mensch sich nicht einfach das Wort genommen hätte, dann wäre es nie dort in die Erscheinung getreten, das Wort vom wirtschaftlichen Misserfolg BER. Sie, die Macher, erhoben ihre Stimmen und es raunte unter ihnen.

Dass ich für die LINKEN hier sitze, hat gewiss ganz menschliche Gründe. Ich möchte darauf nicht näher eingehen, aber, das möchte ich nennen, es hat auch mit Verzicht zu tun. Dafür danke ich den LINKEN, denn, wie schon gesagt, so kenne ich es aus dem Vorgehen des Dialogforums BER – selten kommen Betroffene zu Wort.

Also, was sage ich in 5 Minuten?

Erst mal, „den Ort können Sie vergessen“, wenn der Flughafen richtig losgeht. „Die Dinger müssen ja rauf und runter“.
Nicht, das dies eine Aussage von mir wäre. Sie kommt aus dem Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung. Sie ist inoffiziell. Sie gilt ganz allgemein für einen Ort, der in unmittelbarer Nähe und in Fluchtrichtung der Start- und Landebahnen liegt.

Für unseren Ort trifft das insofern zu, als der Norden vom Landeanflug betroffen ist und der gesamte Ort vom sogenannten 15-Grad-Knick betroffen sein wird, etwa 5 km vom Ostende der Südbahn entfernt.

Höre ich da jemanden denken: Was denn, was denn, Schulzendorf liegt doch etwas abseits und dann gibt’s da die Hoffmann-Kurve und den Fleischerhaken über Wildau. Schulzendorf kriegt also nicht so viel ab und die vom Eichberg bekommen einen richtig guten Lärmschutz.

So glauben die Menschen im Allgemeinen, was in der Zeitung steht und so stand es ja auch in der Zeitung, nur 25 Maschinen, die größten, sollen auf dem 15-Grad-Knick über die Mitte Schulzendorfs fliegen. Die kleineren, etwa 240 Stück, umfliegen Schulzendorf auf der Hoffmann-Kurve bzw. auf dem Fleischerhaken.

Sagt er:
Sag’ mal, hast du schon einmal eine Rasenfläche ohne Trampelpfad gesehen?

Sage ich:
Was hat denn ein Trampelpfad im Rasen mit den Flugrouten zu tun?

Sagt er:
Na die Route, die direkt über Schulzendorfs Ortsmitte führt – 15 Grad-Knick genannt –, das ist der Flug-Trampelpfad. Beiden liegt dasselbe Prinzip zugrunde, denn ob Fußgänger oder Pilot, jeder sucht den einfachsten und kürzesten Weg. Mit einem einzigen großen Unterschied: Der Flug-Trampelpfad entsteht nicht wild, nicht einfach so, sondern er ist von vornherein eingeplant und genehmigt. Man redet zwar bei der Route („15 Grad-Knick“) über Schulzendorfs Schule und Kitas von “nur“ 25 Maschinen pro Tag, aber im Kleingedruckten heißt es eben, daß sie unter bestimmten Bedingungen allen Maschinen offen steht, und im schlimmsten Fall sind das dann 260 pro Tag.

Sage ich: Nichts mehr, ausser zur aktuellen Südbahnerprobung.

Der Lärmschutz für das Teilvollzugsgebiet SLB Süd, also für den Eichberg und Waltersdorf und die Orte auf der Westseite der Südbahn ist für das Tagschutzgebiet zu etwas mehr als 10% erfüllt und geflogen wird, obwohl versprochen wurde, erst zu fliegen, wenn alle den notwendigen Schallschutz haben.

Die zuständigen Verantwortlichen haben es trotz eines Versprechens der Landesregierung erlaubt. Der Kommentar von Herrn Fried, Obere Luftfahrtbehörde Berlin, Brandenburg:

„Wir haben versucht, den Termin nach hinten zu schieben, der Flughafen wollte ja früher, aber dass der letzte Anwohner Schallschutz hat, bevor geflogen wird, konnten wir nicht erreichen.“

Ironie oder schon Zynismus?

Wann endlich werden sich die Verantwortlichen über die Folgen ihrer Standortwahl klar?

Wann endlich werden die Verantwortlichen die notwendigen Schlussfolgerungen ziehen?

Hier sind sie:

Ein umfassendes Nachtflugverbot von 22-6 Uhr für den BER

Ein ausgewiesenes, umfassendes Lärmschutzgebiet für die Ortslage Schulzendorf

Helmut Mencke