„Der Augenblick der Empörung ist so wichtig. Man muss sagen: Ich will das nicht mehr. Ich will es einfach nicht mehr.“(Stéphane Hessel)
Ich erlebe ihn nicht, diesen Augenblick. Wie lange müssen wir uns schinden lassen von diesen machtbesessenen, kaltherzigen Heuchlern? Haben sie etwa ihre Stunde? Stehen die Sterne ihnen günstig?
Was ist in unseren Köpfen los? Warum weiden wir uns an der Treibjagd auf einen Herrn zu Guttenberg und sehen nicht das Spiel hinter dem Spiel? Ist uns der Gladiatorenkampf lieber als unsere Wirklichkeit?

Es hat den Anschein.
Ich will das nicht mehr mit mir machen, will sie mir vor meine Augen stellen, diese furchtbaren, gewaltigen Gesellen, die geübte Spieler sind. Längst betreiben sie ungestört ihr zweifelhaftes Handwerk weiter, kümmern sich um den Fortbestand ihrer Macht, das Flugroutengesülze brummt ja.
Als Brandenburger ist mir Herr Platzeck die am meisten abstoßende Figur. Als Ziehsohn des schlimmen Herrn Stolpe fällt er nicht weit vom Stamm. Landesväter? Was für ein Wort. Das ist viel zu weit weg von diesen beiden Menschen. Ein paar hunderttausend von uns wurden durch sie verraten. Sie auch, liebe Leserin, lieber Leser? Oder wissen Sie es nur noch nicht, glauben etwa an Flugrouten?
Als Fast-Berliner, etwa 600m bis zur Stadtgrenze, habe ich Herrn Wowereit vor Augen und ich frage mich: Geht es heuchlerischer? Wie krumm muss sich ein Mensch machen, wenn er Beides ist, Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafengesellschaft und Ehrenvorsitzender einer Bürgerinitiative gegen Fluglärm? Könnte es etwa sein, dass er für den kommenden Herbst noch ein paar Wählerstimmen braucht?
Und der Rest? Sie meinen die Bretschneiders, Schwarz, Kunkels, vielleicht noch die Fluglärmkommission?
Das sind die Hanswurste auf der Bühne, schlagen nur meine Zeit tot, binden meine Aufmerksamkeit. Die Fakten werden hinter der Kulisse geschaffen.
Und wie sehen die Fakten aus? Wer’s wissen will, kann’s beim größten Deutschen nachlesen, Faust II, 5.Akt,
„Neues schaffen heißt Widerstand leisten. Widerstand leisten heißt Neues schaffen.“
Stèphane Hessel, Empört Euch, Ullstein 2011

 

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