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Sechs Wochen Nachtruhe am Airport“ verkündete die MAZ vom 29./30. 10 2011 und setzte dem ungebremsten Zynismus noch eins obendrauf mit den Worten:

„Die Anwohner des Flughafens (BER) Schönefeld (Dahme-Spreewald) können in den nächsten sechs Wochen ungestört schlafen“.

Na toll - - - mit dieser geistesstarken Erkenntnis gibt man also unverblümt zu, dass man später vor lauter Krach nicht mehr ungestört schlafen kann – oder ?

Na, und die armen Tegeler Umlandbewohner erst - - - die müssen jetzt – trotz des ihnen versprochenen Nachtflugverbots – fast in jeder Nacht ganze zwei bis drei Starts oder Landungen ertragen - - - welche Zumutung für die dadurch gestressten Ohren.

Aber das ist ja alles gar nicht so schlimm, wie es der Chef der Brandenburger IHK in Cottbus – fernab vom Schönefelder Lärmteppich – im gleichen Blatt meint und noch dazu von sich lässt, dass man in den „Tagesrandzeiten“ so etwas schon ertragen kann - - - Er hat dabei bloß immer noch nicht kapiert, dass es sich hierbei nicht um Tagesrandzeiten, sondern um Nachtrandzeiten handelt, die hier in menschenverach-tender Manier den Bürgern von der wohlverdienten Nachtruhe gestohlen werden.


Und so einen Schwachsinn druckt man ab, genau – wie in letzter Zeit im gleichen „Wurschtblatt“ mehrfach nachzulesen – wenn Bewohner aus insbesondere flughafenfernen Gegenden meinen, ihren unmaßgeblichen Senf dazugeben zu müssen und sich darüber aufregen, dass doch die Flughafenanwohner endlich aufhören sollten, sich durch Demonstra-tionen und Wortmeldungen über das bisschen Lärm zu beschweren, denn diese Meckerer wollen ja schließlich auch mal fliegen und könnten doch froh darüber sein, dass sie so einen schönen Flughafen in ihrer Nähe haben.

Tja, so sind die lieben Mitmenschen - - - und wenn man dann noch Gelegenheiten bekommt, Beratungsprotokolle wie z.B.

Landtag Brandenburg 5. Wahlperiode, Ausschuss für Infrastruktur und Landwirtschaft, 27. Sitzung (öffentlich) vom 22. Sept. 2011 u.a. über ein Fachgespräch zum Thema „Umsetzung des Schallschutzprogramms für den BER“ in Verbindung mit „Aktuelles zum BER“ und

Auszug aus dem Plenarprotokoll der 43. Plenarsitzung am 29. Sept. 2011 u.a. zum Thema „Wirtschaftlichkeit des Flughafens Berlin Brandenburg International und der Flughafen Berlin-Schönefeld GmbH“

zu lesen, dann kann man so richtig mitbekommen, wes Geistes Kinder unsere lieben Abgeordneten und deren Flughafenbefürworter sind, die uns regieren und so das Fürchten lehren wollen.

Allen vernünftigen Argumenten zum Trotz werden immer wieder wirtschaftliche Vorteile und Zwänge in den Vordergrund gehoben und die Lärmprobleme verharmlost und in den Hintergrund gestellt.

Weder das dort diskutierte, so hoch gelobte Schallschutzprogramm erfüllt auch nur annähernd die berechtigt zu stellenden Anforderungen an den notwendigen Schutz der lärmbetroffenen Bevölkerung, noch kann man von den inzwischen bekannt gewordenen wirtschaftlichen Ergebnissen und dem künftig zu erwartenden finanziellen Druck auf das Unternehmen davon ausgehen, dass hier goldene Zeiten bevorstehen.

Besonders das Schallschutzprogramm ist an Unlogik und Fehlerhaftig-keit, an Dilettantismus und Unterschiedlichkeit bei der Situationsauf-nahme durch die verschiedenen, fachlich nicht koordinierten und auf einheitliche Handhabungen z.B. der DIN-Normen hin angeleiteten Akustikbüros und teilweise auch die erkennbaren Unfähigkeiten bei der Bauausführung nicht zu überbieten – und alles in schamloser Abzockmanier gegenüber den zumeist fachlich restlos überforderten, insbesondere älteren Menschen.

Borniertheit, Arroganz und Ignoranz, Selbstgefälligkeit und ungehemmte Frechheiten einzelner Abgeordneter gegen Meinungen anderer im Interesse der betroffenen Umlandgemeinden und deren Menschen bestimmen die „Sachlichkeit“ der anstehenden Probleme. Man kann den ganzen Schwachsinn in seiner Sinnhaftigkeit“ und Vollständigkeit mit wenigen einfachen Worten gar nicht wiedergeben. Man muss ganz einfach selbst diese Plattitüden lesen, um zu begreifen, wie ernst man es mit all den verlogenen Versprechungen mit den Betroffenen meint, wenn man an den Schalthebeln der Wirtschaft sitzt und allein die Macht des Geldes bestimmt, wo es künftig hingeht. Die Meinung der betroffenen Bürger und ihrer Vertreter in der Politik sind und bleiben nichtssagende Marionetten, mit denen man beliebig umspringen kann.

Genau genommen ist es eine Minderheit, die sich anmaßt, das Sagen haben zu wollen – und schuld daran sind die Nichtwähler, die glauben, durch Passivität ihren Unwillen gegenüber der Politik ausdrücken zu können, offensichtlich nicht wissend, dass sie damit der Politik keinen Stempel der Ablehnung aufdrücken können !

Gehen wir also mit Zuversicht glücklichen sechs Wochen der ungestörten Nachtruhe entgegen und „danken wir unseren ach so weisen Abgeordneten mit unserem Ministerpräsidenten an der Spitze, dass sie sich so vehement für unsere Interessen einsetzen, täglich, unermüdlich - - - und vollkommen ehrlich um uns besorgt !“

Prof. Dr.-Ing. E. Augustin