Drucken

Sehr geehrte Frau Ministerin Schneider,

in Ihrer Presseinformation vom 12.12.2014:
Sanierung der nördlichen Start- und Landeflächen in Schönefeld kann beginnen
Genehmigungsbehörde gestattet Baubeginn ab Mai 2015

findet sich u.a. die folgende Textpassage:
Bei der Entscheidung war zu berücksichtigen, dass der Umfang des Flugbetriebs auf der Südbahn deutlich geringer ist, als die prognostizierten Flugbewegungen für den ausgebauten BER. So stehen nach den Prognosen für den BER in den 6 verkehrsreichsten Monaten 195.032 Flugbewegungen 36.124 Flugbewegungen bei dem auf 6 Monate befristeten Flugbetrieb auf der Südbahn gegenüber.

 

So, so da werden mal schnell 195.032 gegen 36.124 Flugbewegungen gesetzt, um die Öffentlichkeit zu beeindrucken - fishing 4 compliments!

Allerdings lassen Sie die Herkunft der Zahl 36.124 im Dunkeln. Um heraus zu bekommen, welche Äpfel hier mit welchen Birnen verglichen werden habe ich die FBB-Auskunft bemüht. Auf der Seite:
http://www.berlin-airport.de/de/global/suche/index.php?airport=&search=Statistik+flugbewegungen  findet man im Fluglärmbericht 2013 dazu passend die folgenden Daten:

Jahr 2009 2010 2011 2012 2013
Summe Flugbewegungen 75.524 76.584 73.578 71.775 65.302
Durchschnitt 6 Monate 37,762 38.292 38.789 35.888 32.651

Die Zahlen in der unteren Reihe sind durchschnittliche Flugbewegungszahlen. Sie betreffen nicht die 6 verkehrsreichsten Monate der Jahre. Immerhin sind dies Zahlen in annähernd gleicher Größe, wie die von Ihnen angegebene Zahl von Flugbewegungen, so dass man mutmaßen kann, worauf Sie sich in Ihrer Presseinformation beziehen könnten.

Allerdings wissen wir seit Staatssekretär Bretschneiders gequälten Null-Rundungs-Versuchen zum Tagschutzkriterium aus dem Planfeststellungsbeschluss, dass in Potsdam politische Verantwortliche des BER-Desasters gern mit den Ergebnissen von Milchmädchenrechnungen beeindrucken wollen, um damit die Öffentlichkeit zu täuschen! Insofern ist das, was Sie da veröffentlicht haben, nichts als ein weiterers Täuschungsmanöver!

In Wahrheit stehen im Sinne Ihres angedachten Szenarios durchschnittlich nur 48.758 planfestgestellte BER-Flugbewegungen der sechs verkerhsreichsten Monate des Jahres, Gleichverteilung auf beiden BER-Bahnen und Flugrichtungen vorausgesetzt, der durchschnittlichen Halbjahresanzahl von 18.062 SXF-Flugbewegungen, im Verhältnis 2,7 : 1 gegenüber.

Natürlich beeindruckt das von Ihnen angegebene Verhältnis von 5,4 : 1 die unbedarfte Öffentlichkeit deutlich mehr, weil es demagogisch überhöht argumentiert. Will sagen:
He, ihr Leute unter der Südbahn, nun habt Euch mal nicht so mit dem Schallschutz. Ihr kommt, gemessen an der kommenden rauhen BER-Fluglärmhölle im Sanierungszeitraum doch 'traumhaft' davon! Es wird vergleichsweise ein halbjähriger 'Wellness-Urlaub' werden!

Weit jenseits der Vorgaben des Planfeststellungsbeschlusses ziehen Sie einen gänzlich unzulässigen Vergleich, um die Öffentlichkeit zu beeindrucken und gleichzeitig irrezuführen.

Es ist Ihnen auch kein Wort der Erwähnung wert, dass die Schallschutzberechtigten von Ihnen und der FBB genötigt werden während des Winterhalbjahrs (!) Baumaßnahmen an ihren Häusern, wie z.B. den Austausch von Fenstern vornehmen lassen zu müssen. Dafür ist es Ihnen wichtig mitzuteilen, dass

Zitat:
Mit der Umsetzung der Maßnahme im Sommerhalbjahr 2015 wird sichergestellt, dass die Sanierung der Nordbahn vor der Eröffnung des neuen Flughafens BER beendet ist.
und das
Zitat:
Die Terminverschiebung von März auf Mai 2015 ist das Ergebnis der sorgfältigen Abwägung der Interessen der Flughafengesellschaft, der Fluggesellschaften und der Anwohnerinnen und Anwohner.

Ach ja, ich vergaß, es ist ja Ergebniss eines Abwägungsprozesses und die 'leichtgewichtigen Anwohnerrinnen und Anwohner' haben halt nix auf Ihre politische Waage bringen dürfen!


Sehr geehrte Frau Ministerin,

wie wäre es, wenn Sie zukünftig Ihre Flughafenpolitik unter die Prämissen 'Wahrheit, Transparenz und Verantwortung für BER-Anwohnerinnen und -Anwohner' stellten und gleichzeitig Verklärung und Demagogie aufgäben?

Mit freundlichem Gruss
D. Günther wohnHaft in Mahlow

cc.:
BER-Sonderausschuss
Presse