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Ein bisher unveröffentlichter Leserbrief an die MAZ

Die Loveparade von BER Schönefeld
Meinungsäußerung zu den Hinweisen in der Presse

Jeder merkt es, deshalb weiß es jeder :  Lärm stört und erzeugt somit Stress. Die Auswirkungen für Natur, Mensch  und Umwelt sind unübersehbar und bei einer unzumutbaren Dauerbelastung auch tödlich. Nun tut man so, dass alles gesetzlich ist. Die Behörden versuchen Lärm in Formeln zu pressen und meinen alles berechnen zu können. Willkürliche genannte Durchschnittswerte sollen uns vormachen, dass nichts stört oder krank macht. Die laute Forderung, Lärm zu messen statt zu berechnen, wird wegen behördlichen Störungen bei der  Aufnahme u.a. beim Landkreis LDS nicht gehört. Dabei wurde jedoch erkannt, dass ein Raum der Stille auf dem Flughafen BER notwendig ist, um den Gedanken an den Glauben schweifen zu lassen – für den zahlenden Gast – der Nachbar des BER in der Einflugschneise kann bei einem letzten Gang für Angehörige oder bei seinem Gedenken ruhig mal eine lärmgeprägte Pause aller 90 s einlegen.

Der Flughafen soll mehr Vor – als Nachteile für die Anwohner bringen und ein Gesundheitszentrum soll in Schönefeld beste Versorgung ermöglichen. – Der Export von Panzern für Saudi Arabien sichert auch Arbeitsplätze und bringt auch nur Unheil in dieser Welt. Schallschutzmaßnahmen bedeuten auch Arbeit, aber wenn erst 4 % der Berechtigten die erforderlichen Maßnahmen zur Sicherung der Lebensqualität erhalten haben – und keiner weiß, ob sie überhaupt ausreichend sind – stellt sich die Frage , ob die Politik überhaupt ein Interesse an den Nachbarn des Flughafen hat. Denn es ist bekannt, dass es uninteressant ist für die Politik, ob das Schallschutzprogramm bis zur Eröffnung für jeden umgesetzt ist . Man hat ein Interesse und drängt seitens der Politik, dass alles zur Zufriedenheit des Veranstalters FBS u.a. abläuft – wissen wir auch von der Loveparade in Duisburg oder vom Flugzeugunglück auf dem Sao Paulo – Congantras Airport am 17.7.2007 – nur der Faktor Menschenleben steht da im Weg. Und später wird festgestellt, dass die Verantwortlichen und selbst Berufungsgerichte nicht alles so genau genommen haben und auf Warnungen weder reagiert oder technische Fakten einfach nicht verstehen wollten.

So hatten in Brasilien Richter entschieden, dass der Flughafen Congantras für größere Maschinen zu schließen ist. Auf Druck von Fluggesellschaften legte die Flughafenverwaltung Einspruch ein. Ein Berufungsgericht urteilte wenig Stunden später, „dass die wirtschaftlichen Folgen zu schwerwiegend seien und die Sicherheitsbefürchtungen eine solch drastische Maßnahme nicht rechtfertigten“[1] . Nach dem Flugzeugunfall mit fast 200 Toten wurde nur der Chef der brasilianischen Flughafenbehörde entlassen …

Der Staat baut mit dem Geld seiner Bürger einen Flughafen, genehmigt seine eigene Bauwerke selbst, begünstigt durch Zuschüsse Fluggesellschaften und kümmert sich um lebensbedrohliche Sorgen der Steuerzahler überhaupt nicht. Somit entstehen Katastrophen auf Abruf. Liebe, Paraden und Bauwerke können so schön sein, jedoch nützt das alles nichts, wenn die Mindestgrundsätze der Menschlichkeit mit Füßen getreten werden. Und da reicht nicht der bekannte Satz „ … ich hab Euch doch alle lieb“     
Jörg Pohland, Eichberg

Quellennachweis:

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/TAM-Linhas-A%C3%A9reas-Flug_3054