Jürgen Nentwich

Gersweilerstr. 3

12559 Berlin



Flughafen Berlin-Schönefeld GmbH

Am Seegraben

12521 Berlin



Berlin, den 24.01.2010

Sehr geehrter Herr Schwarz,

nun ist die Katze aus dem Sack. Der „Bürgerverein Brandenburg Berlin e.V.“ wird gegen den erlassenen Planfeststellungsbeschluss klagen. Für Sie kommt das sicherlich nicht überraschend und die Flughafen Schönefeld GmbH ist bestens gerüstet. Nach dem jetzt geforderten Bedarf (der weit über dem ersten Antrag liegt und vom Bundesverwaltungsgericht zurückgewiesen wurde) fand eine erneute Anhörung statt. Da ich selbst an vielen Tagen anwesend war, kann ich nur im Nachhinein feststellen, dass diese Alibiveranstaltung eine Farce war! Nachgewiesen wurde, dass die prognostizierte die Zahl von 40000 neu entstehenden Arbeitsplätzen so etwas von manipuliert war, dass einem schon schlecht werden konnte, ebenso wie die von Herrn Prof. Jansen erstellten Gutachten  zur Unterbrechung des Schlafes durch Lärm. Klar komme ich zu einem sehr guten Ergebnis im Sinne des Flughafenbetreibers, denn der bezahlt ja dafür. Dass bei diesen „Untersuchungen“ natürlich keine Kranken, Alten, Schichtarbeiter oder Kinder infrage kamen, sondern nur gesunde junge Menschen, verfälscht zwar das Ergebnis bis zur Nichtanwendbarkeit, spielt aber überhaupt keine Rolle und wird auch von Ihnen nicht hinterfragt.

Wozu auch, Sie wollen doch den Bau auf Biegen und Brechen erzwingen!

Selbstverständlich konnte auch kein Nachweis über den Bedarf an Nachtflug erbracht werden, dennoch ist er für die Wirtschaftlichkeit und damit den Gewinn und Erhalt des Flughafens immens wichtig. Dass dabei erwiesenermaßen Menschen umgebracht werden, zeigt die neueste wissenschaftlich fundierte Studie des Herrn Prof. Greiser. Aber was macht man nicht alles zur Gewinnmaximierung?!

Es gibt zwar Richter, die unabhängig sind, aber irgendwie werden sie sich doch disziplinieren lassen(?), so wie die Anhörungsbehörde über die Schiene Landesvater (Platzeck) – Genehmigungsbehörde – Anhörungsbehörde. Schließlich ist Herr Platzeck diesen Untergebenen weisungsbefugt.

Ein Schelm, der Böses dabei denkt!

Sie schreiben, dass Sie mit dem Ergebnis der 117 Flüge einigermaßen leben können, wobei man die Anzahl der Nachtflüge an einer Hand abzählen kann. Ich habe Sie als gesunden Menschen gesehen, dessen Hände intakt waren. Sprich, Sie hatten 4 Finger und einen Daumen an der Hand. Da gehe ich dann mal von der Zahl 5 aus. Das heißt also, bis 24 Uhr und ab 05 Uhr wird voll geflogen, und wenn ich Sie richtig verstanden habe, werde ich nur einmal pro Stunde in den restlichen 5 Stunden geweckt. Herzlichen Dank für diese Großzügigkeit!

Ich definiere Ihnen an dieser Stelle den Sinn und die Vorgaben der Vereinten Nationen:

Die Vereinten Nationen (VN; engl.: United Nations, UN; häufig auch UNO für United Nations Organization, Organisation der Vereinten Nationen) sind ein zwischenstaatlicher Zusammenschluss von 192 Staaten und als globale Internationale Organisation uneingeschränkt anerkanntes Völkerrechtssubjekt.

Die wichtigsten Aufgaben der Organisation sind die Sicherung des Weltfriedens, die Einhaltung des Völkerrechts, der Schutz der Menschenrechte und die Förderung der internationalen Zusammenarbeit. 

Jeder Schwerstverbrecher in Deutschland kann demnach sein Recht auf ungestörten Nachtschlaf bis zum obersten Bundesgericht einklagen – und er wird recht bekommen! Ansonsten bezeichnet man die Nichteinhaltung dieses Rechts als Folter! Folter ist aber aufgrund des Beitritts der Bundesrepublik Deutschland in die UNO strafbar!

Es gibt sicherlich einige Länder auf dieser Erde, die zwar Mitglied der UNO sind, diese Rechte aber negieren – ich würde sie als auf der Schwelle zur Menschwerdung definieren.

Vielleicht können Sie mir sagen, wann die Bundesrepublik aus dieser Organisation ausgetreten ist?

Weshalb wollen Sie uns mittels Schlafentzug unter die Lebensschwelle von Schwerstverbrechern stellen und das nicht nur mit Einzelpersonen, sondern mit mehr als hunderttausend in den Einflugschneisen lebenden Menschen? Woher nehmen Sie das Recht, Menschen zu erniedrigen und an ihrer Gesundheit zu schädigen? In diesem Bewusstsein frage ich mich allen Ernstes, wie wollen Sie die Forderungen der Flughafenbetreiber vor Gericht durchsetzen! Allein unter der Prämisse des Geldverdienens und der (Un-) rentabilität?

Zur Erinnerung ein paar der Ihnen bekannten Fakten:

BBI ist ein zu teuer gebauter, überdimensionierter Provinzflughafen, der von der Politik an den ungeeignetsten aller Standorte ohne Aussicht auf Nachtflug gesetzt wurde, mit Steuergeldern subventioniert und zum „Großflughafen der Billigflieger“ wird. Sie haben die Gebühren schon mal langsam nach Vorhaltungen von Herrn Welskop „BBI – ein neuer Berliner Bankenskandal?“ und der drohenden Anzeige durch den BVBB auf 26,- € pro Passagier angedeutet. Glauben Sie allen Ernstes, dass Menschen, die jetzt für 19,95 € nach Madrid oder Paris fliegen, noch einmal diese Summe für den gleichen Flug drauflegen werden? Hier ist doch die Spaßgesellschaft am Ende! Außerdem, und das ist Ihnen auch bewusst, von Parchim brauche ich als billig fliegender Passagier gerade mal 90 Minuten mit dem PKW nach Rostock, Hamburg oder den Norden Berlins. 90 Minuten benötige ich aber auch bald auf der von Frau Ingeborg Junge-Reiher beobachteten ständig verstopften Stadtautobahn. Zumindest für die jetzt von Tegel abfliegenden und im Norden wohnenden Passagiere ist dieser Weg nicht nur kürzer in der Zeit, sondern auch noch billiger. Der neue Stadtrandgroßflughafen wird also immer weniger Passagieraufkommen generieren, „EasyJet“ und andere werden von diesem Flughafen zu teuer fliegen und sich Besseres und Billigeres aussuchen. Das bringt Sie weiter unter Druck – Sie können also nur subventionieren, werden aber aus Wettbewerbsgründen von den anderen Mitgliedstaaten der EU argwöhnisch beobachtet und in die Schranken gewiesen. Der Umsteigeverkehr tendiert gegen NULL (dafür haben Sie extra eine zusätzliche Etage ins Abfertigungsgebäude einziehen lassen) und der Frachtverkehr ist seit Jahren zum Erliegen gekommen. Die letzte Bestätigung für die Unbrauchbarkeit als Knotenpunkt haben Sie gerade von der „Lufthansa“ erhalten (Sie wussten es ohnehin schon). 

Ich frage mich allen Erstes, weshalb sich die Flughafenlobby irgendeine Chance für diesen Flughafen ausrechnet, wenn schon jetzt mit einer gefälschten Betriebsgenehmigung gearbeitet werden muss und bis heute für das total mit explosionsfähigem Kriegsmaterial verseuchte Flughafengelände keine Munitionsräumungsbestätigung vorliegt.

Bringt Ihnen dieser Job soviel ein, dass Sie sich nicht von diesem Irrsinn distanzieren? Im Gegensatz zu Herrn Wowereit habe ich Sie bisher für einen ernsthaften Menschen gehalten (nicht für einen Spaßvogel). Man munkelt aber, Sie seien bald durch Arbeitsplatzwechsel in Richtung Süden unterwegs.

Wäre durchaus verständlich.

Falls Sie also Richtung Süden abheben – bitte nicht im Sommer und nicht nachts – da schlafe ich schon mal bei offenem Fenster und möchte ungern das dann vielleicht wievielte (?) Mal aus meinem Schlaf gerissen werden.

In diesem Sinne.

Besten Dank für Ihr Verständnis.

J. Nentwich

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