Leserbrief zum dem Artikel
Gerechter Zorn, "Lärmgegner belästigten Fluggäste"
B.Z. 05. Februar 2012, von Gunnar Schupelius


Herr Schupelius,

das was Sie über die Demonstration im Flughafen Schönefeld zusammengeschrieben haben, ist noch nicht einmal unter dem Oberbegriff “Journalismus” einzuordnen. Diese Art von “Berichterstattung” braucht in diesem Land kein Mensch, sie ist nämlich nicht wahr. Ich bezweifle, dass Sie überhaupt vor Ort waren, wenn ja, würden Sie nicht so leichtfertig mit Wörtern wie: schreien, toben, hampeln, pöbeln und Geiselnahme umgehen.

 

Die Demonstration im Flughafen verlief durchweg friedlich, niemand wurde angepöbelt oder als Geisel genommen! Ganz im Gegenteil, viele Fluggäste haben ihre Sympathie bekundet.

“Das gab Ihnen zu denken”, schreiben Sie. Hätten Sie doch mal damit angefangen! Hätten Sie vor dem Schreiben doch mal recherchiert. Wenn Sie schon über Gerichtsurteile, Flugrouten und Standorte schreiben, müssen Sie sich erst einmal sachkundig machen! Sie zweifeln doch nicht im Ernst das Demonstrationsrecht an??? Oder gar das eines älteren Menschen? Es ist ganz einfach, sich einen Menschen auf einem Foto herauszusuchen und ihn zu diskriminieren. Die ältere Dame, die Sie sich da in Ihrer Not herausgepickt haben, beweist wohl “Würde und Anstand”, sie verfügt über Demokratieverständnis und kennt ihre Grundrechte (kann man bei Google suchen, nur als Hinweis!). Und: sie leidet unter Fluglärm. Dass der krank macht, haben Sie wohl auch nicht recherchiert!

Schon mal darüber nachgedacht, wie viel Schlaf der Mensch braucht, ob jung oder alt? Reichen Ihren Kindern, falls Sie welche haben, 5 Stunden Schlaf?
Schon mal die schon heute betroffenen Ortschaften besucht?, dort geschlafen? , sich überlegt, wie Kinder dort wohl lernen können, spielen können?

Was ist erledigt? die Flugrouten? Da hat ein Ort wie Kiekebusch vor 14 Tagen erfahren, dass er nun überflogen wird, auch nicht gewusst?
„Ortschaften werden nicht von Flugzeugen überflogen“? Dazu fällt mir nur Pipi Langstrumpf ein “...ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt”. Oder ist das alles bewusste Lüge um der Meinungsmache willen? Flugzeuge fliegen nun mal nicht auf Linien, sie haben Korridore und überfliegen Ortschaften, die massiv vom Fluglärm betroffen werden.

“Von wo sollen die Berliner denn fliegen”? Schönefeld war von jeher und bleibt der schlechteste Standort, das haben im Vorfeld Gutachten bewiesen und das geben inzwischen nicht nur die Landesregierungen, das gibt auch die Flughafenleitung zu. Es ist und bleibt das demokratisch und gesetzlich gesicherte Recht der Fluglärmbetroffenen, auch weiterhin für einen verträglichen Standort zu kämpfen und das ist und bleibt Sperenberg, für Schönefeld gibt es ausgereiftes Nachnutzungskonzept.

Professionelle Fremdbetrachtung, kompetentes Fachwissen und gründliche Recherche gehören zu den Maximen eines jeden Journalisten. Sogar der Springer Verlag verfügt über einen Code of Conduct.

Und für alle weiteren Demonstrationen: bewegen Sie sich mal, gehen Sie vor Ort und bevor Sie schreiben, kommen Sie doch einfach mal den Pflichten eines Journalisten nach!

Und: hören Sie auf, Menschen, die ihre Grundrechte wahrnehmen, zu diskriminieren.

Dolina von Raedern
Großbeeren

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